Christian Wulff diskutiert mit Jugendlichen in der DITIB-Zentralmoschee

Der DITIB-Bundesverband Köln und die Eugen-Biser-Stiftung aus München hatten im Rahmen eines Kooperationsprojektes zum interreligiösen Dialog Jugendliche und junge Erwachsene am 12.03.2016 zu einem Podiumsgespräch mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geladen. Etwa 90 junge Christen und Muslime diskutierten gemeinsam in der DITIB-Zentralmoschee bei der Veranstaltung „Zusammenleben gestalten! Erfahrungen christlich-islamischer Verständigung unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen“.

In seiner Begrüßungsrede betonte Dr. Bekir Alboğa, Generalsekretär des DITIB-Bundesverbandes, die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Begegnung und Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen. „In den letzten Jahrzehnten haben wir in Deutschland viel geschafft und eine gemeinsame Kultur des Zusammenlebens geschaffen.“, sagte er. „Dennoch beunruhigt eine zunehmende Anzahl von Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte, Moscheen und Menschen den friedfertigen, toleranten Teil unserer Gesellschaft.“

Wir sollten uns auf die verbindende, ethische Kraft unserer Religionen besinnen, forderte Alboğa. „Dabei ist Vielfalt der Kulturen im koranischen Verständnis nichts, was es abzuschaffen gilt, sondern vielmehr gottgewollt. Wetteifern um das Gute und dabei die Verständigung suchen, das ist eine der Formeln, die gelingen könnte.“, schlug er vor.

Mit Bezug auf die aktuelle Flüchtlingssituation sieht Alboğa die Muslime in einer besonderen Verantwortung: „Denn wir haben in Anbetracht der zunehmenden Anzahl von Flüchtlingen als diejenigen, denen ein Zusammenleben als unterschiedliche Kulturen bereits gelingt, die Aufgabe, unsere Erfahrungen weiter zu geben. Gelingendes Zusammenleben braucht Vorbilder.“

Dr. Heiner Köster, geschäftsführender Vorstand der Eugen-Biser-Stiftung, ging auf die Rolle der Eugen-Biser-Stiftung ein, die ein Forum für interreligiöse und interkulturelle Begegnungen bereitstellt und Workshops für den christlich-islamischen Dialog anbietet. Grundlage hierfür sei insbesondere das Ende 2013 von der Eugen-Biser-Stiftung im Verlag Herder herausgegebene „Lexikon des Dialogs. Grundbegriffe aus Christentum und Islam“. An diesem grundlegenden Werk hätten 64 türkische und 24 deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über acht Jahre gearbeitet, um die Begriffe der jeweils eigenen Religion für den Christlich-Islamischen Dialog zu definieren, beschrieb Köster.

Zum Auftakt des Podiumsgespräches mit den beiden muslimischen Jugendlichen Sema Yılmaz (DITIB-LJV NRW) und Taner Beklen (Vorsitzender DITIB-BJV) und den beiden christlichen Jugendlichen Maria Maier und Johannes Trischler (beide BDKJ München) gab Bundespräsident a.D. Christian Wulff ein Anfangsstatement ab. Er habe auf den Besuch des Bundesligaspiels Hannover 96 gegen den 1. FC Köln verzichtet, da ihm diese Begegnung mit den jungen Menschen so wichtig sei. Nicht ohne Selbstironie erzählte Christian Wulff, dass er zu seiner Amtszeit als Bundespräsident drei Eröffnungsveranstaltungen von bis heute nicht fertig gestellten Bauten besuchen wollte, wozu es aber bekanntlich nicht mehr gekommen sei. Diese waren die Eröffnung des Berliner Flughafens, der Hamburger Elbphilharmonie und der DITIB-Zentralmoschee in Köln. „Sie haben noch die Chance, Erste zu sein.“, sagte er mit einem Lächeln und mit Hinweis darauf, dass noch keines der Gebäude fertiggestellt ist.

Im Verlaufe des Podiumsgespräches kam es zu einem persönlichen Austausch aller Beteiligten, bei dem Christian Wulff auch Einblicke in seine Religiosität gab. „Mir hat die Religiosität geholfen, mich aufgefangen zu fühlen unter vielen Christen, die Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Fairness usw. als Werte haben“, so Wulff. Er habe als Beistand in schweren Zeiten die meisten Briefe von Christen bekommen und von Muslimen, die „sich berufen fühlen auch den Anderen zu sehen, auch die Schwachen zu sehen“.

Auch unter reger Beteiligung des Publikums wurde über Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung von Religiosität diskutiert. In einer eher säkularisierten Gesellschaft würden religiöse Einstellungen und Rituale auch häufig von Missbilligung begleitet.

Taner Beklen, Vorsitzender des DITIB-Bundesjugendverbandes wies darauf hin, dass mittlerweile sechs DITIB-Landesjugendverbände in Landesjugendringen organisiert seien und dass eine Unterstützung der aktiven muslimischen Jugendlichen notwendig sei, damit sie ihren Beitrag in der Gesellschaft leisten könnten.

Die Veranstaltung wurde von Stefan Zinsmeister von der Eugen-Biser-Stiftung und Taner Yüksel von der DITIB-Akademie moderiert.

Im Anschluss gab es noch einen Imbiss für die Gäste und für alle Interessierten eine Besichtigung der DITIB-Zentralmoschee.

Teile diesen Inhalt